haptic lettres


ein wiesenteppich.

ein wiesenteppich verfolgt mich unter meinem fuß.

wandernd wabernd ich geduldsam fortschreitend, wartend auf den blütenkuß. verzwickt, erquickt ich suche nach der schönsten farbe im geäst, ich halt mich aufrecht, mein blick ganz fest.

leb ich nicht wohl am uferlosen saum, ich taumel heiter, grenzenloser nimmersatter raum. niemals mir die bleibe , die man sucht, niemals angekommen, nie versucht



bestimmung.

als feuervögel flogen wir in das land der worte und ohne jede erinnerung, wo jeder augenblick aus sich selbst entsteht und nichts aufeinander aufbaut, weil es keine zeit gibt - nur den zauber, der träumen wirklichkeit schenkt, nur die berauschende musik ineinander versunkenen lebens. als feuervögel flogen wir dem himmel in die arme und kannten keine grenzen. das war vor tagen; seitdem hat die erde uns wieder. aber wer einmal so zusammenflog, der will nichts anderes mehr.



schreibtisch.       

wie ein holzgestell im morgenland, von weiten zu erkennen, sei es der webstuhl, der entführung ins gefüge von buntgefärbten garn, abwechselnd - kette, schuss, kette, schuss, wirkungsvoll muster, formen, motive, launen erkennen läßt. angefertigte gobelins sind "nebenprodukte", die während meiner arbeit als künstlerin entstanden sind.

 

 

manuskripti - tappisseria

 



radwanderung.

an einem faden festgebunden wandern die räder durch den tag, durch die nacht, das tal, die meere, durch himmelsgewölbe, über berge, äcker, durch wälder, an seen entlang.

zu keiner zeit war zeit, und zu jener zeit war der moment in zeit eingebettet als wollte alles anhalten und den faden nehmen mich schnell woanders hin zu bewegen, doch die wanderung hielt stand, das rad drehte sich wieder weiter. 

welches rad dreht sich nicht, welcher moment steht still, welche zeit nimmt sich keine zeit?



haus.      

als ich in den keller stieg, kamen mir erst die ideen, dass in diesen räumen, mehr als nur abstellort und temporäres schaffen stattfindet. der putz bröselte von der wand , des letzten raumes, jener der als konservenraum damals zur verfügung stand, was wenn nicht großartiges mustern die früchte und gläser in den ehemaligen regalen?

und geh ich die treppen wieder hoch, gen lebensrefugium, dann wird mir leicht ums herz, denn der faden rollt sich genüßlich ab, der plattenspieler singt sein lied.